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Bravo-Rufe beim Schlussapplaus

Göppingen / Ulrich Kernen / 19.10.2018



Der Göppinger Kulturkreis hatte zu seinem 70. Geburtstag für seine Meisterkonzerte das Duo Linus Roth (links) und Florian Uhlig eingeladen. Das Publikum in der Stadthalle war begeistert. © Foto: Giacinto Carlucci

Zu seinem 70. Geburtsjahr hat der Kulturkreis für die Göppinger Meisterkonzerte das Beste vom Besten ausgesucht: am Mittwoch das Duo Linus Roth (Violine) und Florian Uhlig (Klavier) in der Stadthalle. Auch ihre Musikinstrumente waren Spitzenklasse – die Stradivari „Dancla“ von 1703 und der große Göppinger Steinway-Flügel, ein Rolls-Royce unter den Klavieren. Die Instrumente passten auch gut zum Naturell der beiden Künstler. Der cantable, intime Klang der Violine traf auf den strahlenden, vielfarbigen und großen Klang des Konzertflügels. Da galt es, aufkommende Konkurrenz zusammenzufügen.

So geschah es auch in den beiden schnellen Sätzen der eröffnenden Violinsonate Nr.3 d-moll opus 108 von Johannes Brahms. Zunächst stimmte Linus Roth den drängenden, wehmütigen Gesang an, ohne Hast und Robustheit, während Florian Uhlig durchaus auch Heroisches andeutete.

Edelste Klänge genießen

Diese dramatischen Zuspitzungen gelangen dem Duo dann auch im letzten Satz ohne Schärfe und Härte. Dazwischen durfte man im Adagio und im „Presto con sentimento“ edelste Klänge genießen: weit ausgespannte Melodien und frei federndes, beseeltes Presto.

Nachdem man Linus Roth als musikalischen Poeten kennengelernt hatte, verstand man nun auch seine Liebe zur Musik des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczysław Weinberg, in der das motorische Element keine große Rolle spielt, während die melodische Komponente aufgewertet wird. In seiner Violinsonate Nr.3 opus 37 dominierten bis ins kleinste Detail hinein hauchzarte Wendungen; lange emotionale Ströme durchzogen die ersten beiden Sätze. Auch bei gelegentlichen Ausbrüchen blieb alles rund und gemessen. Ein sanftes Tänzchen am Schluss brachte einen kurzen Ausflug ins Reich der handfesteren Folklore. Hinter allem spürte man jedoch die ernste Botschaft Weinbergs. Ein heftig ausbrechendes Lamento verhallte, ins Unendliche gedehnt … An den Schluss setzte das Duo Beethovens Kreutzer-Sonate A-Dur opus 47, ein schwieriges, konzertantes Monumentalstück, das seine Zeitgenossen aus verschiedenen Gründen ablehnten. Das am Anfang stehende Solo der mehrstimmig geführten Violine war voller Wohlklang, aber erste dramatische Untertöne waren schon zu erahnen. Dann brach das Presto los, die Violine äußerst intensiv in den lyrischen Passagen, das Klavier bis ins Pathetisch-Virtuose hinein gesteigert, wohin ihm die Geige nicht folgte. So ging’s dann auch im letzten Satz. Im schwerelos schwebenden Variationensatz dazwischen entfalteten die Beiden noch einmal ihre Stärken, wobei Uhlig auch mal seine pianistischen Muskeln spielen ließ und für die musikalische „Erdung“ sorgte. Zahlreiche spontane Bravos im Schlussapplaus sagten alles!

Quelle: Bravo-Rufe beim Schlussapplaus


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