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Göppinger Meisterkonzert aus einem Guss

Göppingen / Ulrich Kernen / 02.10.2018



Ein Meisterkonzert aus einem Guss lieferten die georgischen Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt unter der Leitung von Ruben Gazarian in der Stadthalle Göppingen ab. © Foto: Staufenpress

Das Klavierduo der georgischen Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt unter der Leitung von Ruben Gazarian hatten für das Eröffnungskonzert der Meisterkonzertreihe in der Göppinger Stadthalle Werke ausgewählt, die großen Schwung auslösten.

Es begann mit Bachs berühmtem Konzert für zwei Violinen d-moll BWV 1062. Auf der Bühne standen aber zwei Konzertflügel! Man durfte gespannt sein. Auf ihnen entfesselten die beiden Schwestern in den Ecksätzen atemberaubende Tempi, an der Grenze zum Spielbaren und auch an der Grenze dessen, was das Gehör aufnehmen kann. Das Orchester streute sehr dezent Akzente ein. Das Ergebnis daraus waren im ersten Satz ungewohnte, weit gespannte, elegante Linien. Mancher seitherige Höhepunkt wurde nun dem Sturm der Soloinstrumente geopfert. Der Verlust an Durchsichtigkeit und an Motorik, ein „Markenzeichen“ Bachs, war unverkennbar. Dahinter sollte man deshalb den Gedanken nicht verwerfen, dass sich Intensität und Vielfalt auch (oder gerade?) in einem gemesseneren Tempo entfalten kann.

Der langsame Satz lieferte den musikalischen „Offenbarungseid“: In stoischer Ruhe floss er dahin, geadelt durch den Glanz und die Leichtigkeit der Steinway-Instrumente. Allmählich lockerten alle Musiker ihre Zurückhaltung und öffneten sich für romantisches Gefühl – und dies inmitten eines streng barocken Werkes! Auch das enthält die zeitlose Musik des Genies Johann Sebastian Bach.

Das folgende Doppelkonzert Es-Dur KV 365 von W.A. Mozart setzte die eingeschlagene Richtung fort. Das Orchester eröffnete das Werk unter der Leitung von Ruben Gazarian straff und zierlich zugleich. Das war eine gelungene Mischung, auf der die Solistinnen aufbauen konnten. Sie spielten sich, wenn auch einigermaßen hurtig, Frage und Antwort zu. In diesem musikalischen „Gespräch“ verhielt sich Kathia Buniatishvili ein wenig durchsichtiger und nuancenreicher als ihre Schwester Gvantsa, die mit durchweg vollerem Klang dagegenhielt. In den schnellen Sätzen spürten die Künstlerinnen die dynamische Kraft dieser Musik auf und setzten sie kompromisslos um. Nobler Bläserklang verband sich im langsamen Satz mit den beiden wunderbaren Klavieren. Nach der fetzigen Tango-Zugabe stürmten gratulierende Kinder nach vorn: Wenn das kein gutes Zeichen ist …!

Die siebte Sinfonie A-Dur von Ludwig van Beethoven führte das bisher Erlebte dann noch weiter. Schon die langsame Einleitung war aus einem Guss wie alles Folgende. Mit großer Bandbreite steigerte sich das Orchester dann immer wieder zu frenetischem Fortissimo. Auch der zweite Satz bot Besonderes: Musik gewordenes Herzklopfen bis hin zu Herz zerreißendem Schluchzen. Ruben Gazarian vermied jede Tendenz zum Schwulst, indem er relativ hohe Tempi beibehielt. Das Scherzo war „Champagner pur“ – von edelster Sorte, da ohne bremsende Zwischenakzente und Zäsuren, und so ging’s ohne Umschweife ins Finale, „con brio“ – „mit Feuer“, konkret: mit größter Leidenschaft und unter voller Spannung. Das war ein Auftakt für die neue Saison der Meisterkonzerte, wie er besser nicht sein konnte: Bitte Fortsetzung!

Quelle: Göppinger Meisterkonzert aus einem Guss


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