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Meisterkonzert mit barockem Vogelgezwitscher

Ulrich Kernen / 19.05.2018



© Foto: Staufenpress

Vogelgezwitscher in der Musik des Barock“ – unter diesem Motto stand das Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle mit dem Kammerorchester Basel. Die beiden Solisten Núria Rial (Sopran) und Maurice Steger (Blockflöten) hatten den Musikwissenschaftler Giovanni Andrea Sechi gebeten, in den Archiven nach Arien für Sopran und kleine Blockflöte (Sopranino) zu graben, in denen Vogelgezwitscher vorkommt – und er wurde acht Mal fündig: Werke von Alessandro Scarlatti bis Johann Adolph Hasse, die bisher unveröffentlicht waren.

Man war gespannt und neugierig. Ein exzellentes Programmheft nebst zweisprachigem Textheft ließen keine Wünsche offen. Auf der einen Seite stehen Vogelstimmen in der Musik für Liebesklage und Sehnsucht. Das war das Feld für die Sopranistin. Daneben konnte man virtuoses und neckisch imitierendes Blockflötengezwitscher bewundern. Maurice Steger setzte nicht nur seine ganze Spielkunst ein, sondern verwandelte sich effektvoll mit witzigen musikalischen Einfällen und heftigen Gesten in ein Vögelein, das Kontakt zu der Dame suchte. Die Zuhörer waren begeistert und konnten gar nicht genug davon bekommen.

Der dritte Partner im Spiel war das Kammerorchester Basel unter der Leitung seiner Konzertmeisterin Julia Schröder. Aus dem Zusammenspiel dieser drei Komponenten resultierte die verblüffende Artistik des Flötisten, andererseits unterstrich die weiche, natürliche Stimme der Sopranistin die vielfältigen Emotionen in diesen Arien. Damit gab sie dem Ganzen eine tiefere Dimension, auch im Zusammenspiel mit dem sehr präsenten und stimmig begleitenden Orchester.

Schon im Eingangsstück, der Sinfonia „La Senna festeggiante“ von Antonio Vivaldi, standen die Schweizer Künstler für vitale Musik, trotz der Anbindung an „historisch informierte“ Interpretation. Selbst den Theorbenspieler hielt es vor Begeisterung kaum auf seiner Sitzbank. Damit man sich nicht allzu sehr am Vogelgezwitscher satthörte, waren drei kurze Flötenkonzerte (Francesco Mancini, Antonio Vivaldi, Charles Dieupart) eingebaut.

Das Orchester war zahlenmäßig reduziert, damit die dort eingesetzte Altblockflöte vor allem im tiefen Register nicht zugedeckt würde. Aber zu Stegers Markenzeichen gehörte auch in diesen Werken, dass er ein Allegro in ein Prestissimo verwandelt, um seine unerhört artistische Griff- und Artikulationstechnik zu präsentieren. Um auch die Blockflöte im Zusammenspiel mit Soloviolone und Theorbe in den langsamen Sätzen nuancenreich singen zu lassen, wagte er ab und zu Crescendo- und Diminuendo-Phrasen. Das widerspricht dem Charakter der Blockflöte eigentlich: Dadurch nahm er leichte Intonationstrübungen in Kauf.

Natürlich erklatschte sich das Publikum zum Schluss noch einmal ein musikalisches Zusammentreffen von Adonis und Nachtigall.

Quelle: Meisterkonzert mit barockem Vogelgezwitscher


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