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Armida Quartett: Könige in Königsdisziplin

Ulrich Kernen / 20.03.2018



Foto: Giacinto Carlucci

Das junge Armida Quartett (Martin Funda und Johanna Staemmler, Vio­line; Teresa Schwamm, Viola; Peter-Philipp Staemmler, Violoncello) gastierte im Rahmen der Meisterkonzerte in der Göppinger Stadthalle. Geadelt wurde es 2012 durch den renommiertesten aller Musikpreise. Es gewann den ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München, erst sechs Jahre nach seiner Gründung. Die frühe Meisterschaft spiegelte sich auch im sehr ambitionierten Programm wider. Es setzte ein mit den Fugen 1, 4 und 11 aus der „Kunst der Fuge“ von J.S. Bach. Dieses letzte Großwerk im Schaffen Bachs ist nicht mehr für bestimmte Instrumente bestimmt, sondern ein Abbild einer nur geistig vernehmbaren Musik.

Akademischer Ernst

Das Armida Quartett hauchte ihrer Auswahl Leben ein. Klare Linien und stimmige Verzahnung der Motive ließen eine dichte, packende Interpretation voller emotionaler Spannung aufkommen. Die folgende vierte Fuge mit der Umkehrung des Hauptthemas steigerte dies in flottem, leichtfüßigem Tempo. Der Komplexheit der Doppelfuge (Nr.11) haftete jedoch bei allem Engagement noch einiges an akademischem Ernst an. Angesichts der feinen, natürlichen dynamischen Abstufungen und Tempi hätten die Künstler sich durchaus eine größere Belebung des Tons erlauben dürfen, allen Vorschriften der Spezialisten alter Musik zum Trotz.

Eine zweite Herausforderung stellte dann das Streichquartett Nr. 2 F-Dur „über kabardinische Themen“ opus 92 von Sergei Prokofjew dar. Den Komponisten hatte es 1941 in den Nordkaukasus verschlagen. Die Begegnung mit der unberührten östlichen Folklore reizte ihn dazu, eine Verbindung mit der „klassischsten aller klassischen Formen, dem Streichquartett“, herzustellen. Die Resultate machen den Reiz dieser Komposition aus. Sieht man vom manchmal gewollt „primitiven und rohen Charakter der Musik“ und der potpourrihaften Anordnung der Lieder und Tänze ab, so faszinierte die hochartifizielle Spielweise des Quartetts ungemein: Neben herben und kraftvollen Wiederholungen rhythmischer Muster verblüfften immer wieder feinste musikalische Gesten. Am Schluss drang auch ein ernster, wuchtiger und wehmütiger Ruf aus schlimmer Zeit ans Ohr der Zuhörer, die die Auswahl dieses selten gespielten Werkes zu schätzen wussten. Das Schlusswerk des Abends, Beethovens spätes Streichquartett Nr. 13 B-Dur opus 130, gehört zu den „Achttausendern“ der Kammermusik. Dem Armida Quartett gelang es, jenseits der nicht geringen Schwierigkeiten einen schlüssigen Grundgedanken musikalisch umzusetzen. Die Basis dafür bildete perfektes Zusammenspiel auf allen Ebenen. Beethoven überschritt durch permanente Kontraste und Steigerungen musikalische Grenzen: schroffe Wechsel, feurige Sturmläufe und anmutig Verspieltes brachten verschiedene Perspektiven ins Spiel. Die am Werkende stehende Cavatina gehörte zu den Sätzen, bei denen man vor Entzücken den Atem anhält und für die allein es sich lohnt, das Konzert zu besuchen. Mit überaus beseeltem Spiel verkündeten die jungen Musiker die heilende Botschaft, die von Musik ausgehen kann. Zum Schluss wurde dem Publikum dann noch die „Große Fuge“ opus 133 nicht erspart: Reduziert auf das Wesentliche standen Schroffheiten kompromisslos neben ausladenden poetischen Einschüben: ein fulminantes Finale eines hochkarätigen Konzerts.

Quelle: Armida Quartett: Könige in Königsdisziplin


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