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Cellist Mischa Maisky wird gefeiert

Ulrich Kernen / 08.11.2017



Mit wahren Glanzlichtern wurde am Montagabend die Konzertsaison des Kulturkreises eröffnet. Das Musikkollegium Winterthur unter Thomas Zehetmairs Leitung und der Cellist Mischa Maisky boten ein hochinteressantes Programm in vorzüglicher Performance, und die Zuhörer im voll besetzten Saal der Göppinger Stadthalle zeigten sich enthusiasmiert.

Die Kammersinfonie op. 77 des 1968 geborenen Richard Dubugnon wurde zu einem Auftakt, wie er nicht alle Tage geboten wird. In einem großen Kaleidoskop der instrumentalen Möglichkeiten arbeitete das Stück mit Akkordfärbungen, altem Stil und – ähnlich dem Jazz – solistischer Vorstellung der Instrumente. Dieser Vortrag war höchst interessant anzuhören, und es hätte mehrerer Wiederholungen bedurft, um sämtlichen Feinheiten nachspüren zu können.

Wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil nahm Mischa Maisky das Cellokonzert op. 107 von Dmitri Schostakowitsch in Angriff. Mit einem sämtliche vier Sätze bestimmenden markanten Viertonmotiv setzte er einen heiter wirkenden Marsch in Gang, in dem er mit dem fabelhaften Hornisten muntere Zwiegespräche führte. Maisky steht alles zu Gebote, um ein solch anspruchsvolles Stück zu beherrschen und plausibel zu vermitteln, natürlich eine perfekte Technik, ein bei Bedarf weich singender Ton oder die energisch zupackende Pranke – und alles stets mit äußerster Intensität vorgetragen, die ihn geradezu mit dem Instrument verwachsen erscheinen lässt.

Einer elegischen Klage im Moderato, die mittels Flageolett­spiel in himmlische Spären wies, folgte eine ausgedehnte Kadenz. Der überlieferten Tradition, den Solisten unter Verwendung der Thematik des Satzes frei und vor allem virtuos improvisieren zu lassen, hat Schostakowitsch einen eigenständigen Satz gewidmet. Maisky machte daraus ein ungeheuer dichtes und spannendes Musizieren, aus dem er sich gewissermaßen wieder löste mit dem Übergang zum Finale, das das Werk in stringenter Motorik zum Ende führte. Mit einer Zugabe, dem nur von Streichern begleiteten Nocturne op. 19,4 von Peter Tschaikowsky, verabschiedete sich der gefeierte Solist.

Nur ganz selten hat Ludwig van Beethoven seine Sätze mit kennzeichnenden Worten versehen; seine „Sinfonia pastorale“, die Sechste op. 58, stellt insofern eine Besonderheit dar. Starkes Differenzieren bezüglich Tempo und Dynamik, wobei das Orchester seinem Leiter immer wieder willig ins Piano folgte, verwies auf die Weite der Gefühlswelt, die der Komponist mit dem Landleben verband.

Das fünfsätzige Werk ist von Dreiklangshelligkeit durchzogen und sprudelt über von musikalischen Einfällen.Wie in der „Szene am Bach“ ein Vogelterzett tirilierte oder in großer Plastizität, mit Paukenschlägen wie Henkersbeile, das Gewitter hereinbrach, wie beim Bauerntanz die Trompete – hier mit einem nicht von Beethoven stammenden Extempore ­– in die Pause hineinspielte oder fast choralartig die Dankbarkeit nach dem Sturm geäußert wurde, das sorgte für Freude beim Zuhören. Und auch das Orchester verabschiedete sich mit einer Zugabe, der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß.

Die Künstlerinnen erreichten ihr Ziel: einen gelungenen Saisonauftakt, der Lust auf mehr machte.

Quelle: Cellist Mischa Maisky wird gefeiert


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