kulturkreis gp logo

Die klassische Musik lebt

Ulrich Kernen / 27.05.2017



Foto: Yvonne Zemke

Der junge Solist des Abends, Martin Stadtfeld, hat den Sprung in die Weltelite geschafft. Das Klavierkonzert A-Dur KV 488 von W.A. Mozart stand auf dem Programm, eines der schönsten und beliebtesten seiner Art. Da war etwas Bemerkenswertes zu erwarten! Das Werk steht in der Nachbarschaft zur heiteren und zugleich revolutionären Oper „Figaros Hochzeit“.

Aufregende neue Klänge

Ein Künstler vom Format Stadtfelds begnügt sich nicht damit, die überbordende Lebensfreude in den schnellen und das dunkle Fis-moll des Mittelsatzes ins Zentrum zu rücken. Wie Gidon Kremer und Glenn Gould sucht er das Besondere: Schnörkellos, bisweilen auch ungewohnt forsch in Tempo und Anschlag nahm er die Ecksätze. Aber schon in der romantisch zerfließenden Kadenz des ersten Satzes klang an, was ihm im zweiten Satz besonders wichtig war: nicht süße Lieblichkeit, sondern aufregende neue Klänge – da stutzte man schon an der einen oder anderen Stelle! Diese Interpretation verwies ohne Zweifel schon auf Beethoven. Die Zugabe – eine Toccata von Sergei Prokofjev – ein den Flügel strapazierendes motorisches Dauergewitter, sollte dann wohl darauf hinweisen, in welche Richtung sich dieser Ansatz dann in der Moderne entwickelte. Das lieferte zumindest Diskussionsstoff in der Pause. Das Orchester begleitete solide, ohne sich auf die Linie des Solisten zu begeben.

Den Rahmen des Konzerts bildeten zwei Sinfonien von Joseph Haydn: die sehr frühe Nr.2 in C-Dur und die „Oxford Sinfonie“ Nr. 92 in G-Dur, ein Spätwerk.

Rhythmische Delikatessen

Diese Auswahl forderte einen reizvollen Vergleich heraus. Beide Werke waren voller origineller Ideen: ein Wunder, das der geniale Haydn in über hundert Sinfonien ausbreiten konnte. Rasmus Baumann setzte in beiden Werken in den schnellen Sätzen auf große Linien, ohne an Präzision einzubüßen. Die vorzüglichen Bläser fügten sich in diesen mitreißenden Fluss hervorragend ein. Auch in den Mittelsätzen vermied er jede Betulichkeit. Er griff rhythmische Delikatessen, spannende Generalpausen, zart hingetuschte Motive und kräftig dazwischenfahrende Blöcke heraus.

Das war herrlich vitale Musik und man hatte das Gefühl, man müsse viel öfter in dieser sinfonischen Schatzkammer auf Entdeckungsreise gehen.

Quelle: Die klassische Musik lebt


       Impressum

Copyright © – 2015. Alle Rechte vorbehalten