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Vollendetes Triospiel

Ulrich Kernen / 03.05.2017



Foto: Staufenpress

Im Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle war das Van Baerle Trio zu hören. Die Amsterdamer Künstler Maria Milstein an der Violine, Gideon de Herder am Violoncello sowie Hannes Minnaar am Klavier bewiesen schon vom Start weg ihre Extraklasse im Klaviertrio c-moll opus 1 Nr.3 von Ludwig van Beethoven. Hier durchzog konzentriertes, zügiges Spiel alle Sätze, ohne jeden Anflug von Hektik. Das feine, durchweg dem Ensemble dienende Musizieren des Pianisten ermöglichte Violine und Violoncello, unbedrängt Details gelöst zu gestalten.

Auch im zweiten Werk, der „Kammersonate für Klaviertrio“ (1948) von Hans Werner Henze, agierte das Trio konsequent: mit dem Umschalten von harsch hingesetzten Blöcken auf zarte Linien, die wie ineinander fließende Aquarelle anmuteten. „Freiheit, wilder und schöner Klang“ nannte Henze dies. Die Komprimiertheit der Sätze machte es den Zuhörern leicht, den spannenden Wechseln zu folgen.

Im Zentrum des Abends stand dann das monumentale Klaviertrio a-Moll opus 50 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, ein Höhepunkt elegischer Stimmungsmalerei in der romantischen Kammermusik. Tschaikowski hatte sich bis dahin geweigert, ein Klaviertrio zu komponieren. Die beiden Streichinstrumente müssten mit ihrem wunderbar warmen Timbre dauernd in einen Wettbewerb mit dem Klavier treten, das außerdem mit seiner Klangfülle die anderen an die Wand spielen könne.

Dass er sich letztlich trotzdem dazu durchrang, für diese Besetzung zu komponieren, liegt daran, dass er seinem plötzlich verstorbenen Freund und Förderer, dem Pianisten Nikolai Rubinstein, ein musikalisches Denkmal setzen wollte. Aber: Das Van Baerle Trio hätte mit seinem wunderbar homogenen und bis ins Kleinste ausbalancieren Klang Tschaikowskis sämtliche Vorbehalte zerstreut. Der Pianist war nicht, wie Tschaikowski beklagte, der „Widersacher“ der anderen; er bewies, dass der Steinway-Flügel auch im Pianobereich schön, weich und leicht klingen kann.

Auch bei monumentalen Teilen geriet nichts vordergründig bombastisch. Dadurch konnten Violine und Violoncello wie schon in den anderen Werken ein nuanciertes Spiel aufziehen, weil der Pianist ihnen zuhörte und sich nicht als Solist mit Streicherbegleitung aufführte wie mancher seiner Kollegen.

Die Riesenfülle an Melodien in diesem Meisterwerk war bei ihnen in besten Händen. Der abschließende Variationensatz steigerte sich in unüberbietbare emotionale Wucht und klang dann in einem ergreifend schlichten Trauermarsch aus.

Die lange atemlose Pause vor dem Beifall bewies, dass die Botschaft des Van Baerle Trios ins Herz getroffen hatte.

Quelle: Vollendetes Triospiel


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