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Magische Momente

Ulrich Kernen / 17.12.2016



Foto: Giacinto Carlucci

Beim Rückblick auf das Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle bleibt vor allem eines in Erinnerung: der erstaunliche Soloauftritt von Andreas Ottensamer im Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 von Mozart.

Er spielte sich nirgends als strahlender Solist auf; er fühlte sich vielmehr im Mezzoforte- und im Pianobereich wohl und mied allzu vordergründige artikulatorische Kanten. So durfte man Zwischentöne wahrnehmen, die bei anderen fehlen. Eine ganz besondere Ebene betrat er im andächtig „gesungenen“ berühmten Andante, wo jeder Zwischenhuster diese magischen Momente zerstört hätte.

Das Heilbronner Kammerorchester unter der Leitung von Ruben Gazarian reagierte als Begleitung einfühlsam und störte das Klangwunder des Solisten nicht. In den Tutti-Teilen ging man kraftvoll zu Werke: Da war dann ein ganz anderer Mozart zu hören. Als Zugabe gab es einen ungarischen Tanz von Leo Weinert, ein rassiges, funkenstiebendes Stück, bei dem alle Mitwirkenden die „Sau rauslassen“ konnten, wie man unter Musikern sagt.

Ein zweiter Mozart stand nach der Pause mit der Sinfonie A-Dur KV 134, einem lebensfrohen Jugendwerk, auf dem Programm. Großer Schwung durchzog, von Gazarian oft ganztaktig gelenkt, die spritzig-schnellen Ecksätze. Im Menuetto schlichen sich allerdings einige Unsauberkeiten ein, die den Genuss ein wenig trübten. Während sich die Flöten stets geschmackvoll ins Geschehen einfügten, stachen die Hörner, hier wie im Solokonzert, immer wieder, auch an rein begleitenden Stellen, übermäßig heraus.

Umrahmt wurden diese beiden Highlights von zwei Werken aus der zweiten Reihe: der Suite für Streichorchester E-Dur opus 63 des amerikanischen Komponisten Arthur Foote und dem „Concerto per archi“ des Italieners Nino Rota. Es ist das Verdienst von Ruben Gazarian, dass man auch solch selten aufgeführte Stücke zu hören bekommt. Mit weichen Wellen setzte Footes Suite ein; ein quirliges Staccato – Capriccioso, unterbrochen vom seelenvollen Adagietto; den Schluss markierte eine gravitätisch einsetzende Fuge, die sich in ein kleines romantisches Drama verwandelte. Das war abwechslungsreiche, gefällige Musik.

Nino Rota war der Komponist von etwa 150 Filmmusiken. Dadurch verbaute er sich zu seiner Zeit jedoch eine Karriere als „seriöser“ Komponist im klassischen Konzertbetrieb. Inzwischen sehen wir das anders: Es gibt keinen Unterschied zwischen U- und E-Musik, sondern nur zwischen guter und schlechter! Und: Das Concerto ist gute Musik! Die Heilbronner nahmen‘s recht sportlich und gaben ihm ein eigenes Gesicht mit immer wieder überzeugenden Crescendo-Steigerungen. Nach dem packenden Finale war klar: Rota ist als „klassischer“ Komponist zwar nicht „zeitgemäß“, aber dennoch Spitze! Da gibt es noch manches zu entdecken.

Quelle: Magische Momente


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