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Meistergeigerin in Göppingen

Ulrich Kernen / 02.12.2016



Foto: Staufenpress

Selten erlebt man ein Konzert, in dem alles auf einem zugrunde liegenden Prinzip beruht. Das Duo Tianwa Yang (Violine) und Nicholas Rimmer (Klavier) zeigte bei seinem Auftritt in der Göppinger Stadthalle im Rahmen der Meisterkonzerte des Kulturkreises schon im ersten Stück, worin sein künstlerisches Anliegen bestand.

Robert Schumanns Sonate a-Moll folgte seinem kompositorischen Grundprinzip, dem permanenten abrupten Wechsel von Spannung und Entspannung. Diesen reizvollen Übergängen begegnete man ständig: Im kantablen langsamen Satz fuhren immer wieder Kobolde dazwischen, und auch in den schnellen Sätzen unterbrachen kraftvolle Ausbrüche lyrische Passagen. Um dieses Wechselspiel mit seinen delikaten Übergängen glaubhaft umsetzen zu können, brauchte es besondere Voraussetzungen. Da waren zum einen zwei exzellente Instrumente im Einsatz: die voll tönende Guarneri-Geige und der hervorragende Steinway-Flügel der Stadthalle. Beiden Künstlern gelang außerdem permanent stimmig austariertes Duospiel, sodass bis ins letzte Stück des Konzertprogramms die Spannung hochgehalten werden konnte. Dabei war es durchaus auch ein optischer Genuss, den eleganten, tänzerischen Bewegungen der Geigerin zuzusehen.

Das folgende Werk „Phantom und Eskapade“ von Wolfgang Rihm offenbarte, dass Rihm ein moderner „Bruder im Geiste“ Schumanns ist. Denn auch hier erlebte man, wie der Werktitel andeutet, Wechsel zwischen meditativen Phasen und extremen Ausbrüchen, die bis an die Grenzen der spieltechnischen Möglichkeiten führten.

Höchste Konzentration herrschte in diesem raffiniert gebauten, scheinbaren Chaos bis zum offenen Schluss, bei dem erst ein entspanntes, verschmitztes Lächeln der Künstler das Ende ­signalisierte.

Auch bei der e-Moll Sonate KV 304 von Wolfgang Amadeus Mozart hob das Duo die durchaus hörbare Doppelbödigkeit heraus, allerdings zu dem Preis, dass manches zu viel Gewicht und Dramatik abbekam. So wies diese Interpretation schon auf die Romantik hin, in die die abschließende Sonate A-Dur opus 100 von Johannes Brahms dann mündete. Auch hier war ein spannungsreicher Wechsel offenkundig, vor allem zwischen dem „Tranquillo“ und dem „Vivace“ des Mittelsatzes.

Das Programm endete nicht mit dem üblichen „Finalgewitter“, sondern verwies auf den ebenso verhaltenen Konzertbeginn: eine runde Sache!

Quelle: Meistergeigerin in Göppingen


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