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Kammerorchester macht in Göppingen Lust auf mehr Klassik

Klassische Musik mit jugendlichem Schwung präsentierte das Stuttgarter Kammerorchester im letzten Meisterkonzert der Saison in Göppingen.

Ulrich Kernen / 20.06.2016



Foto: Staufenpress

Dass klassische Musik keineswegs verstaubt ist, sondern faszinierende Lebendigkeit ausstrahlt, bewies das Stuttgarter Kammerorchester unter Matthias Foremny im letzten Konzert dieser Saison in der Göppinger Stadthalle.

Die zeigte sich bereits zu Beginn des Abends in der Sinfonie Nr. 21 A-Dur von Joseph Haydn. Nach einem zartem Arioso ging es mit jugendlichem Schwung in das vor guter Laune sprühende Presto hinein. Die Mischung aus Spontaneität und überlegenem Können, das sich bis in scheinbar nebensächliche Begleitstimmen verfolgen ließ, zeichnet dieses Eliteensemble aus.

Stutzig wurde man beim witzigen Menuett, dessen Hauptmotiv unverkennbar in der Kleinen Nachtmusik von Mozart wieder auftaucht.

Von Wolfgang Amadeus Mozart standen zwei Werke auf dem Programm: zunächst das seltener zu hörende Klavierkonzert F-Du KV 413. Die Solistin Gabriela Montero, deren Originalität gerühmt wird, versprach, eine kongeniale Partnerin zu sein. Sie griff zunächst die Vitalität der Haydn-Sinfonie auf. Bald wurde ihr interpretatorischer Ansatz erkennbar, jegliches Pathos, jeglichen Schwulst beim Mozartspiel zu vermeiden - das war anerkennenswert.

Schaute man aber auf die künstlerischen Mittel, mit denen sie das anging, so fällt das Urteil durchaus geteilt aus: In den raschen Sätzen fokussierte sie ihr Spiel sehr stark auf technische Präzision, wodurch sich eine gewisse Distanziertheit und für Mozarts Musik fremde Forschheit einschlich. Dies wurde ausgeglichen durch ihr überaus einfühlsames Spiel im Larghetto.

Ihre ausladenden und emotional gewichtigen Kadenzen wiesen auf ihr persönliches Engagement und ihr berühmtes Improvisationstalent hin. Bei zwei Zugaben kommunizierte sie mit ihren Zuhörern, indem sie sie einlud, ihr ein Lied zuzusingen. Da kam natürlich nur das Maientagslied infrage, welches die Göppinger nach kurzem Zögern tonsicher anstimmten. Die Pianistin verwob dieses zum Entzücken aller spontan in einer mächtigen Fantasie. Da schien sie ganz authentisch zu sein.

Das folgende Streichsextett von Richard Strauss war ein liebliches Seelengemälde voller Wehmut. Aber: Komponiert 1942, warf man dem Stück Ahnungslosigeit und Weltferne vor. Die Stuttgarter nahmen diese sprechende Musik jedoch ernst und so erahnte man die nachvollziehbare Zuflucht des Achtzigjährigen zu zeitloser Schönheit. Damit war die Nähe zur A-Dur Sinfonie KV 201 von Mozart hergestellt. Matthias Foremny wagte einen neuen Blick auf das bekannte Werk und entlockte ihm durch agiles Spiel in den schnellen und federnde Leichtigkeit in den Mittelsätzen entwaffnende Freude, die auch über die sehr zahlreichen Motivwiederholungen des letzten Satzes hinweghalf.

Als Zugabe musste natürlich zum Vergleich mit Haydn das Menuett aus der Kleinen Nachtmusik kommen: leicht und locker, ohne jedes Poltern, das man von alten Aufnahmen vielleicht noch im Ohr hat: So bleibt Klassik ewig jung und macht Lust auf die neue Konzertsaison in Göppingen.

 Quelle: Kammerorchester macht in Göppingen Lust auf mehr Klassik


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