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Belgisches Spitzenorchester brilliert in der Göppinger Stadthalle

Brussels Philharmonic, das belgische Spitzenorchester, füllte am Dienstag im Rahmen der Meisterkonzerte die Göppinger Stadthalle – und das zu Recht.

Ulrich Kernen / 28.04.2016



Foto: Staufenpress

Für das Konzert in der Göppinger Meisterkonzert-Reihe hatten die Künstler drei Juwelen der romantischen Orchesterliteratur im Gepäck: Mendelssohn-Bartholdys Hebriden-Ouvertüre, Tschaikowskys Violinkonzert und Rimski-Korsakows sinfonische Suite Scheherazade.

In allen Werken wurde auf unterschiedliche Weise musikalisch erzählt. Inspiriert durch den Besuch der Fingalshöhle auf der kleinen Hebriden-Insel Staffa komponierte Mendelssohn seine Konzertouvertüre über schottische Natur und das Erlebnis des Meeres. Muhai Tang am Dirigentenpult ging dieses Eröffnungsstück in gemessenem Tempo an, heraus kam eine gediegene, immer im Fluss bleibende Interpretation, in der auch die gelegentlichen Ausbrüche diszipliniert angegangen wurden; gegen Schluss nahm das Orchester dann Fahrt auf und gewann an Frische und Dynamik.

Im Zentrum stand danach das Solokonzert mit der aus Kasachstan gebürtigen Elitegeigerin Alena Baeva. Tschaikowsky komponierte das Werk am Genfer See, wo er sich von schweren seelischen Problemen erholte: Im Stück ist unüberhörbar, wie er zu neu gewonnener Lebensfreude zurückfindet. Die hohe Qualität des Orchesters zeigte sich darin, dass die Streicher beseelt und mit noblem Klang begleiteten und der Solistin großen Raum ließen.

Alena Baeva konnte sich dadurch voll auf das Seelendrama konzentrieren. Sie suchte nicht nach funkelnder Virtuosität um der Virtuosität willen, sondern widmete sich, das Tempo soweit es ging zurücknehmend, den feinen Pianoschattierungen, bei deren unglaublicher Innigkeit das Publikum den Atem anhielt. Die virtuosen Teile wirkten dann wie Befreiungsakte, bei denen sich auch das Orchester aus der Deckung herauswagte. Die begleitenden Bläsersoli im Mittelsatz zeugten von der großen Klasse der Orchestermusiker, waren aber im Vergleich zum verhaltenen Solopart immer ein wenig zu direkt.

In der anschließenden sinfonischen Dichtung Scheherazade ging es um Orientalisches, verbunden mit russischer Seele, und das Ganze in überaus bunter Instrumentation: Das war ein wahres Fest für die Ohren! In immer neuen, rhythmisch raffiniert gebauten Wendungen konnten die Streicher ihren satten Klang einbringen, und die durchweg hervorragend disponierten Bläsersolisten sorgten für eine dichte Atmosphäre aus Exotik und Sehnsucht. Eine weitere Dimension brachte das immer wiederkehrende Scheherazade-Erzählmotiv hinein: Solovioline und Harfe fanden zu tief bewegendem Spiel. Am Ende großer Jubel über einen Konzertabend von außerordentlichem Format.

 Quelle: Belgisches Spitzenorchester brilliert in der Göppinger Stadthalle


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