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Ein Jubel der Stimmen

Edle Gesangskunst brachte das Meisterkonzert am Freitagabend in die Göppinger Stadthalle. Das "Ensemble Nobiles" konnte mit Darbietungen geistlicher und weltlicher Vokalmusik sehr gefallen.

Ulrich Kernen / 11.04.2016



Foto: Staufenpress

Im alten Rom wurden die politisch aktiven Nachfahren von Konsuln Nobiles genannt, was so viel wie Edle oder auch Adlige bedeutet. Mit ihrem Namen hat sich die Leipziger A-cappella-Gruppe "Ensemble Nobiles" also einem hohen Anspruch verschrieben, den sie am Freitagabend in der Göppinger Stadthalle auch vorzüglich einzulösen vermochte. Dieses Meisterkonzert des Kulturkreises wurde veranstaltet in Zusammenarbeit mit der "Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler", die erfolgreiche Teilnehmer - Preisträger und Stipendiaten - des Deutschen Musikwettbewerbs unterstützt.

Die Nobiles, das sind die Tenöre Christian Pohlers und Paul Heller, der Bariton Felix Hübner sowie die Bässe Lucas Heller und Lukas Lomtscher, entstammen allesamt dem Leipziger Thomanerchor. Dass ihnen die unter Thomaskantor Georg Christoph Biller erfahrene Ausbildung sehr zustatten kommt, bewiesen sie durch den gekonnten Umgang mit ihrem vortrefflichen Stimmmaterial, durch ausgefeiltes gestalterisches Vermögen und durch eine beeindruckende Intonationssicherheit. Dazu gehört inzwischen auch ein höchst professionelles Auftreten samt dem ungezwungenen Umgang mit dem Publikum. Diesem Publikum wurden zunächst geistliche Gesänge, zumeist Motetten, dargeboten, die sämtlich im 20. und 21. Jahrhundert entstanden sind. Obwohl manche der Kompositionen rhythmisch oder harmonisch äußerst anspruchsvoll waren, kamen sie den Nobiles leicht und wie selbstverständlich von den Lippen. Der samtig-weiche, homogene und überwiegend zurückhaltende Vokalklang erhielt durch den markanten Kopfstimmen-Einsatz von Paul Heller - quasi als Countertenor - Farbe und Kontur, die den gelegentlich etwas litaneiartigen Gesängen gut taten. Und immer wieder gelang es den Nobiles, durch ein Piano oder Pianissimo Spannung herzustellen, wonach sich dann wie in Jeremy Rawsons für das Ensemble komponiertem "Jauchzet dem Herrn" der Jubel der Stimmen umso wirkungsvoller entfaltete.

Der zweite Programmteil brachte viel romantisches Liedgut, das den damals gebräuchlichen Sängerfesten oder Liedertafeln zugedacht war, aber auch schlichte Volkslieder, die zum Mitsingen einluden. Das taten die Vortragenden denn auch tatsächlich und freuten sich über die Maßen, als die Besucher das wie lange einstudiert wirkende "Ännchen von Tharau" oder "Im schönsten Wiesengrunde" zustande brachten.

Die bekanntesten der in diesem Teil zum Vortrag gekommenen Komponisten waren Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Johannes Brahms, aber auch lokale Heroen wie der aus Schnait stammende Friedrich Silcher oder der 1955 in Esslingen gestorbene Wilhelm Nagel gehörten dazu. Und weil damals bei den Liedertafeln auch ordentlich gezecht wurde, fand es das enthusiasmierte Publikum ganz angebracht, dass den fünf sympathischen Sängern abschließend als Dank je ein Fläschchen ausgehändigt wurde.

 Quelle: Ein Jubel der Stimmen


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