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Kapellsolisten brillieren in der Göppinger Stadthalle

Tine Thing Helseth hatte kurzfristig das Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle absagen müssen. Doch die Dresdener Kapellsolisten brillierten.

Ulrich Kernen / 07.12.2015

Respekt muss den Organisatoren des letzten Meisterkonzertes in der Göppinger Stadthalle gezollt werden. Tine Thing Helseth, international bekannter Trompetenstar, hatte kurzfristig absagen müssen. Mit Romain Leleu war ein Ersatz gefunden. Das Programm musste teilweise geändert werden. Und dennoch war die Halle voll.


Foto: Staufenpress

Vorweg muss gesagt werden: Der Erfolg des Abends ist vor allem den Dresdner Kammersolisten, seiner vorzüglichen Konzertmeisterin Susanne Branny und dem Dirigenten Helmut Branny zu verdanken. Immerhin durfte man dreimal Orchester und Trompete hören.

Mit dem ursprünglich für Corno da caccia, ein kleines Jagdhorn, geschriebenen Konzert in Es-Dur des in Dresden wirkenden Vorklassikers Johann Baptist Georg Neruda eröffnete Leleu seinen Auftritt. Das Orchester legte locker und pulsierend aufspielend vor, der Solist nahm das fröhliche Werk aber merkwürdig zurückhaltend, durchgehend weich in Tonbildung und Artikulation. Deshalb sprang der Funke nicht über. Leider spielte Leleu auch in Torellis Trompetenkonzert D-Dur durchaus brav, aber wie "mit angezogener Handbremse", während seine Begleiter vormachten, was an Pfeffer in dieser Musik steckte. Im Air aus der Orchestersuite Nr. 3 schweigen nach dem Willen des Komponisten Johann Sebastian Bach die Trompeten, die in den Ecksätzen solistisch eingesetzt sind. Das hätte wohl auch so bleiben sollen, denn die feine Klangentfaltung, für die das Stück berühmt wurde, ist den Streichinstrumenten vorbehalten. Begeistert reagierte das Publikum auf die Orchesterstücke.

Ensemble musiziert mit viel Herz

Unter der Leitung von Helmut Branny musizierte das kleine, aber äußerst konzentriert und engagiert zu Werke gehende Ensemble mit Herz und vollendeter Souveränität. Mit luftigem und leichtfüßigem Spiel spürten die Künstler dem emotionalen Gehalt des Concerto grossos g-Moll von Giuseppe Torelli nach. Das war eine beachtliche musikalische Visitenkarte: Diese Interpretation litt wahrlich nicht unter der staubtrockenen Vibratolosigkeit und einer durchgehenden, oft ruppigen Stufendynamik mancher Ensembles für Alte Musik. Das war vom ersten Ton an pochende, vitale Musik.

Sehr durchsichtig wurde dann auch das Dritte Brandenburgische Konzert, in dem sich die Gruppen sichtbar und hörbar die Motive einander zuspielten. Dabei trieben sie das technisch virtuose Spiel bis an die Grenze des Machbaren.

Den Höhepunkt des Abends bildete aber der "Winter" aus den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Fast jeder im Saal kannte das Stück. Aber: Die Überraschung gelang. Voller Spontaneität und Frische riss die Solistin Susanne Branny ihre Mitspieler mit. So durfte man dieses Meisterwerk wie zum ersten Mal hören und bestaunen. Doch noch ein sehr gelungener Abend.

Quelle: Kapellsolisten brillieren in der Göppinger Stadthalle | Südwest Presse Online


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