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Meisterkonzert mit musikalischen Schatzgräbern

Der Auftritt des Fabergé-Quintetts machte Lust auf mehr. Die Fünf spielten eine Mischung aus bekannten und unbekannten Stücken der Kammermusik.

Ulrich Kernen / 14.11.2015

Franz Schuberts Kammermusik-Klassiker, das Forellenquintett, stand im Mittelpunkt des Meisterkonzerts am Donnerstag in der Stadthalle Göppingen. Das Fabergé-Quintett (Rodrigo Reichel, Violine; Gerhard Sibbing, Viola; Sven Forsberg, Violoncello; Peter Schmidt, Kontrabass; Mona Asuka Ott, Klavier) widmet sich für diese seltene Besetzung der musikalischen Schatzgräberei. In der Reihe der Meisterkonzerte präsentierte es einen seiner Funde: Das Klavierquintett c-moll von Ralph Vaughan Williams.


Foto: Staufenpress

Nun muss ein solcher Fund ja nicht automatisch ein musikalischer Edelstein sein; dennoch ist es verdienstvoll, dass die Künstler Neuland betreten, und es ist allemal mindestens spannend, einer solchen Entdeckung ein Ohr zu leihen.

Um auf der sicheren Seite zu sein, hatten die Fünf dann im zweiten Teil mit dem Forellenquintett von Franz Schubert einen der populärsten Kammermusik-Klassiker parat. Dies reizte zum Vergleich. Vieles in Williams spätromantischen Werk war im Fluss, mitunter auch recht lang, und manches schien dabei auch zu versickern. Selbst im eröffnenden "Allegro con fuoco" ging es selten "munter" und "feurig" zu.

Aufhorchen ließ das Quintett immer da, wo, wie im Andante, in andächtiger Ruhe Liedhaftes aufblühen konnte. Dabei durfte man beruhigt feststellen, dass die Pianistin keine rücksichtslose Dominanz anstrebte, sondern sich geschmackvoll in den Streicherklang einmischte. Der sonore Kontrabass "erdete" das Ganze, indem er ein Fundament legte. Einzig das Violoncello hielt sich zu sehr zurück.

Mit dem abschließenden Variationensatz schrieb Williams auch eine Hommage vor den Forellen-Variationen Schuberts, die im zweiten Teil des Konzerts mit mancher Länge des ersten versöhnten. Da ging es nun auf der anderen Seite auch darum, nicht in altgewohnte Interpretationsgleise zu geraten. Schon in den schnellen Ecksätzen musizierten die Künstler mit erfreulicher Frische und Geschmeidigkeit. Der helle Klang des vorzüglichen Steinway-Flügels und der warme und nie raue Kontrabassklang ergänzten sich dabei wundervoll.

Mit viel Liebe zum Detail im Andante und mit einer an Beethoven erinnernden rhythmischen Delikatesse im Scherzo erreichte das Ensemble eine runde, überzeugende Interpretation. Im von den Zuhörern erwarteten Variationensatz spielten sich die Fünf dann jedoch, wohl um jeglicher Behäbigkeit aus dem Weg zu gehen, in ein ziemlich rasches, zum Teil schon hektisches Tempo hinein, das doch zu einigen kleinen Unschärfen führte. Das Cello lenkte schließlich wieder zu alter Lockerheit zurück.

Die Zugabe, das Scherzo aus dem Quintett Nr.1 a-moll der französischen Komponistin Louise Farrenc, perlte spitzig wie bester Champagner: Diese Entdeckung machte Lust auf mehr.

Quelle: Meisterkonzert mit musikalischen Schatzgräbern | Südwest Presse Online


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