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Valentin Radutiu und Evgeni Bozhanov geben meisterhaftes Konzert

Auf dem direkten Weg nach oben in die europäische Elite sind die beiden jungen Künstler des letzten Meisterkonzertes in der Göppinger Stadthalle: Valentin Radutiu (Violoncello) und Evgeni Bozhanov (Klavier).

Ulrich Kernen / 09.10.2015

Foto: Giacinto Carlucci

Die zeitlich kurze Künstlervita der beiden Künstler, die jetzt das Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle bestritten, weist jetzt schon durch die erlesenen Namen ihrer Lehrer, Wettbewerbserfolge und Orchester- bzw. Kammermusikpartner darauf hin, dass man es hier bereits mit jungen Ausnahmekünstlern zu tun hatte. Man kann dem Kulturkreis Göppingen nur dazu gratulieren, dass er diese Künstler - Valentin Radutiu (Violoncello) und Evgeni Bozhanov (Klavier) - entdeckt und eine Begegnung mit diesen Newcomern allerersten Ranges ermöglicht hat.

Ein durchgehend romantisches Programm zu spielen, zeugt davon, dass das Duo über eine große Palette von Ausdrucksmöglichkeiten und extreme Standfestigkeit verfügt und dass das erfahrene Publikum in der Stadthalle diese Sturmwelle von Gefühlen aufnehmen konnte: Brahms, Tschaikowski, Rachmaninow. Mit einem Tiefenregister, das seinesgleichen sucht, ging der Cellist zu Beginn den ersten Satz der Cellosonate e-moll von Brahms an: beseeltes, ja inbrünstiges Spiel im Forte und vor allem im Piano zog die Hörer von Anfang an in seinen Bann. David Geringas, einer der Lehrer von Valentin Radutiu, das sei hier am Rand erwähnt, hat vor vielen Jahren an selber Stelle dieses unnachahmliche Cantabile auf seinem Cello auch in die Herzen seiner Göppinger Zuhörer gesungen. Bei den zahlreichen Stimmungs- und Tempowechseln des ersten Satzes konnte hier der Cellist schneller umschalten als sein Klavierpartner.

Stimmig bis ins Detail spielte das Duo dann das einem Scherzo nahestehende "Allegretto quasi Menuetto", ein scheinbar leichtes Tänzchen, voller Selbstironie. Das spielte Radutiu mit leichter Hand, sein Partner folgte präzise, aber mitunter eine Spur zu ernst. Der dritte Satz setzte mit einer strengen Fuge im Bachschen Stil ein, dann löste sich dieser sportliche Einstieg im Gefühl des Romantikers Brahms immer wieder auf. Diesen Wechsel der Musizierhaltungen konnte Valentin Radutiu mit seiner sensiblen Artikulation plastisch werden lassen.

Eine Lehrstunde für "Gesang" auf Cello und Klavier folgte dann mit "Fünf Liedern, bearbeitet für Violoncello und Klavier" von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. In den vier ersten Liedern durchwanderten die Zuhörer mit den Künstlern diverse Stimmungslagen von Schlaf und Traum. Beide Partner wandten sich zartesten Gefühlsregungen zu. Das Cello überraschte mit einer berührend schlichten und zugleich leuchtenden Spitzenlage. Das war Musik zum Luftanhalten: Die Konzentration des Duos hielt bis in spannendes Pianissimo hinein - Romantik pur.

Erlöst wurde das Gehör dann durch den Frühlingsjubel im letzten Lied. Im zweiten Teil wollten die beiden jungen Künstler es noch einmal wissen. Sie stürzten sich in die ausladende Sonate g-moll opus 19 von Sergei Rachmaninow. Hier ging es nicht mehr um feine musikalische Struktur des Werks. Emotion und noch einmal Emotion wurde im wahrsten Sinn mit allen Mitteln erspielt: Andächtiges Deklamieren wechselte mit kraftvollen rhythmisch stark markierten Akzenten. Im Aufbrausen der Emotionen gelang es dem Cellisten immer, ohne Schärfe zu musizieren, während Evgeni Bozhanov ab und zu doch die pianistischen Pferde seines Steinways durchgingen.

Das Cantabile bei Brahms steigerte sich nun bei dem russischen Komponisten Rachmaninow zu einem "con passione" und nach geraumer Zeit und zunehmend hymnischer Überhöhung sehnte man sich dann doch nach einem Ende: "Romantik pur" kann bei aller bravourösen Kunst letztlich auch einmal anstrengend werden. In ihrer Zugabe, einer Polonaise von Chopin, genossen die beiden jungen Künstler noch einmal ein ausgiebiges Bad in großen Gefühlen und Gesten: wirklich wunderbar musiziert, aber irgendwann ist es auch gut...

Quelle: Valentin Radutiu und Evgeni Bozhanov geben meisterhaftes Konzert | Südwest Presse Online


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